Fair Trade oder was versteht man eigentlich unter fairem Handel

In den letzten Jahren hat sich die Art und Weise wie wir unseren Kaffee einkaufen unter dem Namen „Direct Trade“ im Deutschen Kaffeemarkt fest etabliert. Im Unterschied zum Fair Trade System steht hier die Beziehung zum Kaffeefarmer auf Augenhöhe im Mittelpunkt. Selbständige, professionell arbeitende mittelständische Kaffeefarmer fokussieren auf eine hohe bis sehr hohe Kaffeequalität (Spezialitätenkaffee, über 80 Punkte im SCAA Kaffeeklassifikationssystem). Durch den direkten Kontakt zu den Kaffeeröstern im In- und Ausland kennen sie deren Bedürfnisse und produzieren entsprechend stark nachgefagte Kaffees. Diese Kaffees sind bei den Kaffeeröstern heiß begehrt. Dies ermöglicht wiederum den Farmern, für ihren Kaffee profitable Preise zu fordern. Dies geschieht entweder am Kaffeeweltmarktpreis orientiert mit dem so genannten „Differential“, einem prozentualen Aufschlag auf den Weltmarktpreis (z.B. Weltmarktpreis + 80%) oder als frei kalkulierter Preis, sog. „Outrage“-Preise (z.B. USD 8,50/kg Rohkaffee). Im Gegensatz dazu steht das „Faitrade“-System, welches sich nicht an professionelle Landwirte, sondern an Subsistenzwirtschaften (Anbau hauptsächlich zur Eigenversorgung mit Lebensmitteln, meist Einzelpersonen/Familien bzw. deren Zusammenschlüsse in Kooperativen) wendet.
Der für den Kaffee gezahlte Preis ist jedoch nicht auskömmlich, was bedeutet, dass der Empfänger nicht in die Lage versetzt wird, damit z.B. Investitionen in Maschinen vorzunehmen oder moderne Konsumgüter zu erwerben. Der Name „Fair Trade“ ist ein reiner Markenname einer privaten(!) Organisation und gibt keinesfalls die Garantie irgendeiner Fairnis.

Auf Europa, respektive Deutschland übertragen könnte man sich dies in etwa so vorstellen: Ein Arbeiter erhält einen Stundenlohn von nur 3,- EURO. Eine private Organisation, welche sich den Namen „Fairer Lohn“ gegeben hat, zahlt dem Arbeiter einen Aufschlag von 0,20 EURO. Er erhält nun 3,20 EURO je Stunde, ein immer noch lächerlich niedriger Lohn.
Das von ihm erzeugte Produkt trägt jetzt aber ein Siegel mit dem Wort „Fairer Lohn“. Der Verkäufer des Produktes weist auf das Siegel hin und erzählt dem Kunden „Das Produkt stammt aus fairem Handel, der Arbeiter erhält einen fairen Lohn.“

Unter fairem Handel ist die Zahlung eines auskömmlichen(!) Preises an den Erzeuger einer Ware zu verstehen, welche diesem einen angemessenen Lebensstandard garantiert. Er kann von dem Verkauf seines Erzeugnisses in seinen Betrieb investieren, sich ausreichend mit Lebensmitteln versorgen und seinen Kindern eine angemessene Ausbildung gewähren.

Zum Schluß noch ein Tipp für den Kaffee-Einkauf:

Eine kleine Rückrechnung hilft, das Problem zu verdeutlichen: Man nimmt den Laden-Preis eines 1000g-Kaffeepäckchens und dividiert durch 1,07. Dann hat man die Mehrwertsteuer abgezogen. Nun noch EUR 2,10 abziehen, die Kaffeesteuer. Jetzt werden noch EUR 1,00 für die Röstung, die Verpackung, den Transport zum Supermarkt und die Gewinnmargen von Röster und Supermarkt abgezogen. Was jetzt übrigbleibt ist aber nicht das, was der Kaffeefarmer erhält. Vielmehr müssen davon noch EU-Zollgebühren und der Transport über 9.000 bis 12.000km See- und Landweg vom Kaffeeursprung nach Europa abgezogen werden.

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